Erfahrungsbericht Lakefield College School

Hey, ich bin Carina und durfte die 11. Klasse im Schuljahr 2024/25 an der Lakefield College School in Ontario verbringen – einem Internat im Südosten Kanadas, rund eineinhalb Stunden von Toronto entfernt, mitten in der Natur.

 

Alleine temporär auf einen anderen Kontinent zu ziehen, über 6.000 Kilometer von zu Hause entfernt, in ein Land mit einer anderen Amtssprache und ohne vertraute Gesichter, war herausfordernd und anfangs auch ziemlich beängstigend. Besonders in den letzten Tagen vor dem Hinflug stieg die Nervosität immer weiter, und ich habe meine Entscheidung nicht nur einmal infrage gestellt. Aber wenn ich mir rückblickend damals einen Ratschlag hätte geben können, dann diesen: Man fühlt sich nie 100 % bereit, so einen großen Schritt zu wagen. Und genau so soll es auch sein. Die Aufregung und der Mut, den man dafür braucht, machen dieses Abenteuer am Ende nur noch wertvoller.

 

Es hat definitiv ein paar Wochen gedauert, bis ich mich in den neuen Alltag in Kanada eingefunden hatte und ihn wirklich genießen konnte. Doch je länger ich dort war, desto weniger habe ich das Vertraute aus Deutschland vermisst, weil Kanada nach und nach zu meinem neuen Zuhause wurde und meine Freunde dort zu einer zweiten Familie.

 

Das Internatsleben hat diese Eingewöhnung enorm erleichtert. Während der Highschool-Zeit, wenn auch nur für ein Jahr, mit meinen Freunden zusammenzuleben, wird für immer eine meiner liebsten Erinnerungen bleiben. Abende im „common room“ mit Mario Kart, Karaoke-Sessions, nächtlichen Deep Talks oder einfach lauter Musik im Gemeinschaftsbad – all das sind absolute Core-Memories geworden.

 

Die Lakefield College School hat meinen Blick auf „Schulgemeinschaft“ komplett verändert: Drei Mal pro Woche versammelte sich die gesamte Community zur Chapel: mit Musik, Abschiedsreden der Zwölftklässler, Ansprachen unserer Direktorin, Gastvorträgen oder kleinen Feiern, etwa zur Geburt eines „Staff Babys“. Auch die gemeinsamen Mahlzeiten in der Dining Hall oder das Lernen in der Bibliothek haben dieses intensive Gemeinschaftsgefühl verstärkt, sodass man sich wirklich nie alleine gefühlt hat.

 

Auch das Schulsystem selbst hat mir super gefallen: maximal drei Fächer à 95 Minuten pro Tag ermöglichten konzentriertes, vertieftes Lernen. Besonders geschätzt habe ich die Möglichkeit, eigene Interessen einzubringen, etwa durch spannende Kurse wie „Medical Problem Solving“, die online belegt und als normale Credits angerechnet werden konnten.

 

 

Ein ganz besonderes Highlight war für mich die kanadische Natur. Dank meines Outdoor-Education-Kurses konnte ich beeindruckende Seen und Wälder hautnah erleben – bei Rafting- und Campingtouren, aber auch direkt auf dem Campus. Der liegt an einem See, der mit wunderschönen Sonnenuntergängen und einzigartigen Co-Curriculars wie Segeln, Windsurfen oder Rudern überzeugt.

 

Besonders das Segeln hat mein Herz erobert und gemeinsam mit zwei Freundinnen habe ich schon nach wenigen Wochen an einer Regatta teilgenommen. Eine Erfahrung, die ich mir noch wenige Monate zuvor nie hätte vorstellen können.

 

Die 11. Klasse an einer internationalen Schule mit Schülern aus über 40 verschiedenen Ländern zu verbringen, hat meine Zukunftspläne und meine Sicht auf die Welt nachhaltig geprägt. Heute habe ich eine lange Liste an Ländern, in denen ich in den nächsten Jahren meine Freunde besuchen möchte, und eine unstillbare Neugier, die Welt zu entdecken. Dieses Jahr hat mir neben unzähligen Erinnerungen in drei verschiedenen Ländern und faszinierenden Städten wie Montréal und Ottawa vor allem Freundschaften fürs Leben geschenkt – und Mut. Den Mut, Dinge zu wagen, und die Erkenntnis, dass Angst ein ziemlich schlechter Ratgeber ist.

 

Mein Jahr in Kanada war bisher mit Abstand das Beste meines Lebens. Und ich bin unglaublich dankbar, dass aus einem kleinen bisschen Mut eine so unvergessliche Zeit geworden ist.