
Mein Name ist Lisa, ich bin 16 Jahre alt und besuche die 11. Klasse am Neuen Gymnasium Wilhelmshaven. Gemeinsam mit der Organisation Breidenbach Education habe ich mich schließlich für ein Auslandsjahr in Kanada entschieden.
Mein Reiseziel war Victoria, eine kleine, schöne Stadt auf Vancouver Island im Westen des Landes. Zehn Monate verbrachte ich dort an der St. Andrew’s Regional High School, einer Privatschule mit rund 450 Schülern.
Die Vorbereitungen liefen fast ein Jahr lang. Schon im Juni hatte ich ein Treffen mit anderen Teilnehmern, bei dem ich sogar zwei Mädchen kennenlernte, die später ebenfalls meine Schule besuchten. Leider kamen sie erst im zweiten Semester, sodass ich die erste Zeit komplett auf mich allein gestellt war.
Der Abschied von Familie und Freunden war sehr emotional, aber die Vorfreude war größer. Nach drei Flügen kam ich schließlich abends in Victoria an, wo mich meine Gastfamilie empfing.
Meine Gastfamilie stammte ursprünglich von den Philippinen und lebte seit zwei Jahren in Kanada. Zur Familie gehörten meine Gasteltern, zwei jüngere Gastgeschwister (9 und 11 Jahre), eine Cousine, die am College studierte, sowie zeitweise mehrere internationale Schüler, zuerst eine Japanerin, später eine Mexikanerin und eine Brasilianerin. Oft waren wir bis zu zehn Personen im Haus, was manchmal chaotisch, aber auch sehr lebendig war.
Anfangs fiel mir die Sprachumstellung schwer, da ich eher zurückhaltend bin und niemanden kannte. Doch mit der Zeit wurde es leichter und ich fühlte mich wohler. Besonders schön waren die gemeinsamen Feste: zu Thanksgiving gab es ein großes Essen, an Halloween verkleideten wir uns eine ganze Woche lang.
Das kanadische Schulsystem unterscheidet sich deutlich vom deutschen. Wie in den USA hat man pro Semester nur vier Fächer, die sich täglich wiederholen. Der Unterricht war praxisorientierter, wir hielten viele Präsentationen, schrieben regelmäßige Tests und am Ende jedes Semesters „Finals“. Bewertet wurde mit einem Punktesystem von 0 bis 100 %.
Besonders auffällig war das Verhältnis zu den Lehrern: Man sprach auf Augenhöhe miteinander, oft fast wie mit Freunden. Jeder Lehrer hatte seinen eigenen Raum, in den die Schüler hin- und her wechselten.
Der Schultag begann um 8:30 Uhr und endete erst um 15:05 Uhr. Die Schule bot zahlreiche Freizeitaktivitäten an: Ich spielte in der Concert Band und machte Sportarten wie Tennis, Badminton und Ultimate Frisbee. Viele Kanadier üben ihre Hobbys in der Schule aus, und durch die gemeinsamen Spiele gegen andere Schulen entstand eine starke Gemeinschaft.
Besonders geprägt haben mich auch unsere „Retreats“ mit dem ganzen Jahrgang. Retreats sind Ausflüge, bei denen man zusammen mit dem Jahrgang Gemeinschaftsspiele spielt.
Die St. Andrew’s High School hatte etwa 70 internationale Schüler. Viele kamen aus spanischsprachigen Ländern, aber auch aus Asien oder Europa. Dadurch, dass wir die gleichen Herausforderungen und Probleme bewältigen mussten, hat es unser Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Mit unserem internationalen Leiter führten wir Aktivitäten durch, wie Kanu fahren, Ski fahren. Wir besuchten auch Städte wie Vancouver und besuchten viele große Eishockeyspiele, zum Beispiel der Vancouver Canucks.
Ich habe viele Freundschaften geschlossen, mit Kanadiern ebenso wie mit anderen Austauschschülern. Alle waren sehr offen und neugierig auf andere Kulturen und wir verbrachten oft unsere Freizeit in der Stadt, gingen Billard spielen oder verbrachten einfach Zeit zusammen. Die Offenheit und Freundlichkeit der Kanadier haben mir geholfen, mich schnell einzuleben. Gleichzeitig lernte ich auch ihre Kultur kennen: typische Speisen wie Poutine oder Tim Hortons, große Feiertage wie Thanksgiving und Halloween, und den lockeren Umgang miteinander. Am Anfang war ich oft unsicher. Ich bin eher eine Person, die Zeit braucht, enge Freundschaften und Vertrauen aufzubauen. Doch durch mein Auslandsjahr habe ich gelernt, offener auf Menschen zuzugehen, Gespräche zu führen und andere besser zu verstehen. Mein Englisch ist sicherer geworden, ich habe an Selbstbewusstsein gewonnen und bin selbstständiger geworden. Ich würde nicht sagen, dass sich meine Persönlichkeit völlig verändert hat, aber meine Denkweise und mein Verhalten haben sich weiterentwickelt. Ich bin empathischer, reifer und unabhängiger geworden. Dieses Jahr hat mir gezeigt, dass ich Herausforderungen bewältigen kann und dass es sich lohnt, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten.
Der Abschied von Victoria war schwer. Zehn Monate sind lang, und doch verging die Zeit viel zu schnell. Am Flughafen flossen viele Tränen, denn mir war klar: Diese Erfahrung wird sich nicht wiederholen lassen. Ich habe ein neues Zuhause, neue Freunde und einen Teil von mir selbst zurückgelassen. Wenn ich jetzt an mein Auslandsjahr zurückdenke, empfinde ich vor allem Dankbarkeit für die schönen wie auch für die schwierigen Momente. Kanada ist für mich mehr als nur ein Land geworden: Es ist ein Teil meiner Geschichte, und die Erinnerungen daran werde ich immer in meinem Herzen tragen.
Von der ersten Beratung bis zur erfolgreichen Umsetzung habe ich mich jederzeit von der Organisation Breidenbach Education bestens begleitet und unterstützt gefühlt. Die professionelle Planung, die individuelle Betreuung und verlässliche Kommunikation haben maßgeblich dazu beigetragen, dass dieses Jahr für mich zu einer unvergesslichen und bereichernden Erfahrung wurde. Vielen Dank dafür.
